Eine Weihnachts-Musical-Geschichte

“Ein Märchen zur Weihnachtszeit wäre doch schön”, fand Frau Ziebarth irgendwann im Spätsommer, als wir begannen, das nächste Musical-Projekt zu planen.  Und obwohl sie eigentlich nächstes Jahr gemeint hatte, startete damit die wohl wahnsinnigste Idee, die wir jemals hatten.

Merlin hatte in den letzten Wochen der “Hairspray”-Proben ein lockeres Gerüst um seine Idee gestellt, Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte zu vertonen und in einen Einakter zu pressen.  In den Herbstferien arbeitete er das Stück aus. Tagelang schrieb und komponierte er, pendelte zwischen Schreibtisch, seinem elektrischen und dem anderen Klavier hin und her und schaffte es tatsächlich, in elf dreistimmigen Songs und mithilfe einer uralten Skriptvorlage von Frau Ziebarth das ganze Musical fertigzustellen.

Unsere Darsteller ließen sich von Anfang an voller Vorfreude auf die erneut intensive Probenphase ein. Sie lernten nicht nur die Songs zu singen, sondern waren derart interessiert an diesem neuen Projekt, dass ich in unterschiedlichen Gruppierungen etliche Nachmittage bastelnd und nähend mit ihrer eifrigen Unterstützung verbracht habe. All die Sterne und der Kunstschnee, das Gerede über Festtagsessen während des Truthahnbastelns und unsere Unterhaltungen machten uns ganz weihnachtlich zumute.

Normalerweise haben wir etwa ein Dreivierteljahr für unsere Proben, diesmal waren es nur ein bisschen mehr als sechs Wochen. Alle Abläufe waren also enorm beschleunigt, es machte diese Zeit atemberaubend.

Rückblickend habe ich das Gefühl, Frau Ziebarth, Merlin und ich standen am Abend vor der Premiere völlig gehetzt am Rand der geschmückten Bühne und blickten zurück auf einen Dauer-und Hindernisslauf.  Es gab in so kurzer Zeit so viele Termine zu verschieben und koordinieren und Absprachen mit zahllosen Leuten zu treffen, dass wir wirklich befürchteten, die Premiere am nächsten Vormittag müsse ein Reinfall werden.

Florian, unser Techniker, ging im Blindflug in die erste Aufführung, denn wir hatten vorher weder mit Licht, noch Ton und Geräuschen proben können.

Aber es wurde ein Erfolg!

Nicht nur er, auch die Darsteller-Gruppe ist inzwischen so souverän, dass Unsicherheiten einfach überspielt werden können und so sangen und erzählten sie sich in die Herzen der jungen Zuschauer.  Ich saß an der Seite und beobachtete unsere Gäste, die Grundschüler der umliegenden Schulen. Manche sahen mit offenem Mund auf die Bühne, andere hielten sich zwischenzeitlich an den Händen. Wie gebannt verfolgten sie der Geschichte des hartherzigen Scrooge, der lernt, auf sein Herz zu hören. Einige von ihnen kamen abends mit ihrer Familie noch einmal zur nächsten Aufführung.

Ja, es war ein Erfolg.

Auch die neuen Schülerinnen und Schüler, die erst nach „Hairspray“ zu uns gekommen waren, fanden einen Platz in dieser Zeit und gehörten wie selbstverständlich dazu.  Vielleicht ist es vor allem das, was mich dazu bringt, all diese Zeit zu investieren: diese Truppe.

Es wird bei jedem Stück Fehler geben, falsche Töne und Texthänger, aber sie werden ganz sicher immer wieder so ansteckend in ihrer Freude auf der Bühne sein, dass das Publikum das Gefühl bekommen wird, einen wunderbaren Musical-Abend (oder -Vormittag) gehabt zu haben!

(von Mareike Holler)